Lieferanten-Konsolidierung: 5 Schritte zu 15 % weniger Material-Kosten
Henry Schein, Praxisdienst, Mercateo, Sarstedt, Amazon Business — die typische Praxis verteilt ihre Material-Käufe auf sieben oder mehr Lieferanten. Das kostet bares Geld. Wie Sie systematisch konsolidieren und 10-20 % einsparen.
Warum entsteht der Wildwuchs?
Drei Gründe:
Was kostet der Wildwuchs?
Konkret an drei Stellen:
A. Mehrfach-Anfangsgebühren
Manche Lieferanten erheben pauschal € 5-15 Anfangsgebühr unabhängig vom Bestellwert. Bei sieben Lieferanten und vier Bestellungen pro Monat: € 1.000 – € 2.000 pro Jahr allein durch Anfangsgebühren.
B. Verlorene Mengenrabatte
Wenn Sie bei Lieferant X € 500 pro Monat ausgeben, sind das € 6.000 pro Jahr. Bei € 6.000 verhandeln viele Lieferanten zwischen 5 und 10 % Mengenrabatt. Wenn Sie aber stattdessen € 6.000 auf sieben Lieferanten verteilen, bekommen Sie nirgends die kritische Masse für einen Rabatt.
C. Verlorene Skonto-Optimierung
Mehr Lieferanten = mehr Skonto-Fenster im Auge zu behalten. Skonto-Capture-Rate sinkt fast linear mit der Anzahl Lieferanten.
Die 5 Schritte zur Konsolidierung
Schritt 1: Lieferanten-Inventur (60 Min Aufwand)
Nehmen Sie die Eingangsrechnungen der letzten 12 Monate. Listen Sie alle Lieferanten mit Jahresumsatz:
Eine typische Verteilung sieht so aus: Henry Schein € 12.840, Praxisdienst € 8.450, Sarstedt € 4.220, Amazon Business € 2.180, Mercateo € 1.890, Apotheke X € 1.140, Spezial-Lieferant € 980, und der Rest von etwa 7-8 weiteren Lieferanten unter € 4.000 zusammen.
Sortieren Sie nach Umsatz. Die Top-3-Lieferanten machen typisch 70-80 % vom Volumen aus.
Schritt 2: Sortiment-Mapping (90 Min Aufwand)
Für jeden Top-Lieferant: Welche Produkt-Kategorien decken sie ab? Verbrauch / OP / Diagnostik / Hygiene / Büro / Pharma?
Daraus entsteht eine Matrix: Welcher Lieferant kann theoretisch was liefern?
Schritt 3: Preisvergleich auf Top-30-Artikel
Identifizieren Sie die 30 häufigsten Artikel über alle Bestellungen (Pareto: 80 % der Bestellfrequenz). Holen Sie für diese 30 Artikel Preise von Ihren Top-3-Lieferanten ein.
In Praxis: 70-80 % der Artikel sind bei Ihrem Top-1-Lieferanten gleich oder günstiger als bei den anderen — Sie haben den Mengen-Effekt schon. Bei 20-30 % der Artikel finden Sie eine günstigere Alternative.
Schritt 4: Verhandlung mit Top-1-Lieferant
Wenn Sie schon € 12.840 pro Jahr bei Henry Schein ausgeben: rufen Sie den Außendienst an. Bieten Sie an, das Volumen auf € 18.000 zu konsolidieren — wenn ein Mengenrabatt von 5-8 % drin ist.
Praktischer Tipp: Klar machen dass Sie bereit sind, andere Lieferanten zu reduzieren. Außendienst hat eigene KPIs (Umsatz-Wachstum pro Kunde) — die helfen ihm bei der Genehmigung.
Schritt 5: Verbleibende Spezial-Lieferanten
Spezial-Lieferanten (z.B. Sarstedt für Labor-Material, Apotheke für Schmerzmittel) bleiben spezialisiert. Aber: prüfen Sie ob 1-2 davon wegfallen können (z.B. Amazon Business für Büro → Mercateo, oder Apotheke X → Stammapotheke konsolidieren).
Zielzustand: 3-5 Lieferanten statt 10-14. Top-3 deckt 85-90 % vom Volumen ab.
Was bringt das konkret?
Typischerweise — abhängig von Praxis-Größe und Verhandlungs-Bereitschaft des Hauptlieferanten — sind folgende Effekte realistisch:
- 5-8 % Mengenrabatt beim Top-1-Lieferant (durch Volumen-Verhandlung)
- 3-5 % weniger Anfangsgebühren durch Reduktion der Lieferanten
- 5-10 % höhere Skonto-Quote durch übersichtlichere Skonto-Fenster
- 0,5-1 Stunde MFA-Zeit pro Woche durch weniger Wareneingänge zu prüfen
In Summe: 8-15 % Einsparung auf die Material-Kosten. Bei € 50.000 Material/Jahr: € 4.000 – € 7.500 pro Jahr.
Tools die helfen
Eine reine Excel-Analyse ist möglich, aber zeitaufwändig. Tools wie PraxisFinanz tun das automatisch:
- Lieferanten-Top: zeigt sortiert wo Ihr Geld hingeht
- Anomalie-Detection: warnt wenn Sie 7× kleine Bestellungen statt einer großen gemacht haben
- Lieferanten-Konsolidierungs-Vorschläge (Roadmap): "diesen Artikel kaufst du günstiger bei X als bei Y"
Fazit
Lieferanten-Konsolidierung ist der schnellste Hebel im Praxis-Einkauf. Drei Stunden Analyse-Zeit, ein Anruf beim Außendienst, einmal "umstellen" — und 8-15 % Einsparung pro Jahr. Bei größeren Praxen reden wir über fünfstellige Beträge.
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